Der Verein
 
Sensorische Integration
   
 

Ein Auszug aus der Geschichte -
mit Hinführung zum aktuellen Kursprogramm wie auch Inhalte in der Planung 2005/2006
                                     

   
 
Die Gesellschaft für Sensorische Integration - Jean Ayres Deutschland und International e.V. GSID® wurde 1993 gegründet, nachdem ich einen Studiengang an der Universität Südkalifornien - USC / USA  als erste deutsche Ergotherapeutin  absolviert hatte.  Damals lehrte Jean Ayres teilweise noch selbst in dem von ihr etablierten Studiengang – Theorie und Praxis der Sensorischen Integration. So setzte Jean Ayres  mit ihren Denkansätzen gravierende  Meilensteine in meiner weiteren  Analyse und  Anwendung  der  Theorie und Praxis des von Jean Ayres und  ihren Begleitern und  Nachfolgern  in mehr als 20 Jahren entworfenen  Konzeptes  über die Zusammenhänge von kindlicher Entwicklung  im Sinne Sensomotorik einerseits, die Zusammenhänge zu kognitiver Entwicklung andererseits. So waren auch  Florence Clark und Zoe Mailloux bedeutende Begegnungen, die, wie oben erwähnt, Jean Ayres viele Jahre begleiteten.  Annahmen  der theoretischen wie auch  der praktischen Umsetzung des Konzeptes   trafen auf  meine langjährige  Erfahrung als pädiatrische Ergotherapeutin. Fundierte neurologische, neuropsychologische, neurophysiologische  und letztendlich neurobiologische Inhalte bauten auf  diese auf. Der damalige  Gründer und Ärztliche  Direktor des Kinderzentrums München, Herr Professor Dr. mult. Theodor Hellbrügge, der mir auf seinen Vorschlag hin zu diesem  Studiengang verhalf, mit der Prämisse als erste deutsche Lehrtherapeutin Kurse nach dem amerikanischen Modell am Kinderzentrum München und der Deutschen Akademie für Entwicklungsrehabilitation abzuhalten. Dies wurde später sehr federführend von Herrn Professor Dr. med. Dr. h. c. Hubertus von Voss, Ärztlicher Direktor des Kinderzentrums München, weiterhin gefördert. Der Austausch mit wissenschaftlich tätigen Kollegen und Mitarbeitern ermöglichte mitunter die ständige Weiterentwicklung des Konzeptes und unterstützten die Lehrtätigkeit  insbesondere in ihrer Bereitschaft Kursteilnehmer als kompetente Praktikanten zu akzeptieren. Darüber hinaus wurden von der GSID® in eigener Planung und  Durchführung  in  regelmäßigen Abständen  internationale Symposien  mit Referenten aus dem In- und Ausland in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialpädiatrie der Ludwig Maximilians Universität München durchgeführt.
   
 

Zahlreiche Referententätigkeiten, Fortbildungen im In- und Ausland prägten die Fortentwicklung der Lehrinhalte in den Kursen der GSID® bis heute. So entstanden immer wieder neue Fragestellungen und Vorstellungen diese auf einer wissenschaftlichen Ebene zu klären und zu definieren. So ergab sich im Laufe der Jahre  die Notwendigkeit sich von dem Begriff: Sensorische Integrationstherapie zu trennen, da die  Verbreitung in den letzten Jahren einen rasanten Aufschwung  zeigte und die Anwendung vielerorts nicht den Kriterien der GSID® in Praxis und Lehre entsprach. Um die jahrelang geprägten Inhalte nach dem amerikanischen Modell zu erhalten, entschloss sich die GSID® fortan die Bezeichnung Sensorisch-Integrative Ayres Therapie SIAT® zu wählen, um hier den klassischen Ansatz zu pflegen, der ja mitunter auch beinhaltete, nicht nur Ergotherapeuten  den Zugang zur SI Weiterbildung zu gewähren, sondern ebenfalls gemeinsam mit Physiotherapeuten  die Kurse zu belegen. Es wurde deutlich, dass gezieltes  Beobachten und  Benennen  einer  Dysregulation oder Dysfunktion, bis hin zur  Beschreibung einer grob- und/ oder feinmotorischen  Retardierung und ihre Ursachen, bis hin zu motorischen Ungeschicklichkeiten, die zu  Problemen in der Familie, im vorschulischen sowie im schulischen Alltag führen können. Dies wiederum kann leichte bis schwere sozio-emotionale Verhaltensstörungen nach sich ziehen, dies wiederum bedingt  erschwertes  Lernen  von  Eigenständigkeit/Alltagsverrichtungen zum einen, die Bewältigung vorschulischer und schulischer Anforderungen zum anderen. Eine explizit vorgeschriebene detailierte  Dokumentation ist  absolut notwendig,  um eine fundierte  fachspezifische Diagnostik wie  auch  die darauf folgende Therapieplanung  zu erheben. Diese speziell vorgesehene Dokumentation mit speziell auf das Kind und die Familie abgestimmten Zielen und Absichten, die letztendlich  darüber hinaus als Nachweis  der therapeutischen Maßnahmen  dienen  soll. Diese Forderung hat einen hohen Stellenwert  im praktischen Teil der Weiterbildung der GSID®. Aus diesem Anspruch heraus, habe ich 1988 den Sensory Integration und Praxie Test  - SIPT-  Jean Ayres – in Deutschland eingeführt, um diesen hier zu evaluieren und auf deutsche Normen zu übertragen bzw. zu standardisieren. Nach langer Testüberprüfungsphase - wiederum in Zusammenarbeit mit sehr erfahrenen Mitarbeitern des Kinderzentrums und der Unterstützung von Prof. Dr. Hubertus  von Voss - haben wir - der Vorstand der GSID® - entschieden, den  SIPT durch einen eigenen Test den  sog. Sensorisch-Integrativen Test  SIT® zu entwickeln. Dieser wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen  mit einer Eigenbeteiligung der GSID® finanziert.

   
 

Schon vor der Gründung des Vereins war es mein Ziel, mit weiteren  komplementären Fachgruppen zu kooperieren - an dieser Stelle  vornehmlich den pädagogischen Aspekt mit aufzunehmen. So entstanden erste gemeinsame Seminare mit Therapeuten-Physiotherapeuten/Ergotherapeuten/Logopäden und Sonderpädagogen  sowie Heilpädagogen und Erzieher.

Die Notwendigkeit zur Etablierung  und Definition wurde bald sehr deutlich – so entstand die Sensorisch-Integrative Pädagogik SI-Päd®. Dieses  Konzept entwickelte sich zusehends als ein  hochinteressantes Spektrum der SI-Theorie  und die Anwendung im pädagogischen Setting. Eine große Anzahl von pädagogischen Fachkräften hat diese Weiterbildung abgeschlossen  und wenden diese erweiterten Erkenntnisse in ihrem pädagogischen Alltag in Kindergärten, im heilpädagogischen Setting, wie auch im schulischen Bereich als SonderpädagogIn an. Für die Teilnehmer, aber auch für die Referenten, war und ist dies eine motivierende Herausforderung – das Konzept der SI-Päd® an sehr engagierte Teilnehmer weiterzugeben. Darüber hinaus ist  es Carola Wiesbauer gelungen, in der Klinik Hochried/Murnau die  Workshopreihe SI- Päd® regelmäßig  im Seminarjahr 2005 durchführen zu können, da die Seminarteilnehmer vor Ort optimale Bedingungen vorfinden wie Seminarräume und Schulklassen, um das theoretisch Erworbene  auch praktisch üben zu können. Weitere Seminarreihen sind in Planung, um  den Wirkungskreis   weiterhin zu  vergrößern – insbesondere in Hinblick  auf frühestmögliche Erfassungen von Anzeichen einer sog. SI-Dysfunktion, die ja, wie oben erwähnt teilweise zu massiven Problemen führen kann.

Besondere Anerkennung möchte ich an dieser Stelle an die Mitarbeiter der Ergotherapieabteilung des Kinderzentrums  München ausdrücken, da ohne ihre Unterstützung die Durchführung des praktischen Teiles der Seminare nicht möglich wäre.  Ich bin ebenfalls sehr erfreut, dass langjährige Referenten, die sich jedes Jahr bereit erklären ihr Wissen und Erfahrung weiterzugeben und sie damit den Verein stärken um weiterhin satzungsgemäß handeln zu können - d. h. Qualität, Forschung, Weiterentwicklung des Konzeptes der Sensorisch-Integrativen Ayres Therapie SIAT® und der Sensorisch–Integrativen Pädagogik SIPäd® – voranzutreiben, um den uns anvertrauten Kindern und Familien mit noch mehr Fachkompetenz gerecht zu werden.

Ihre

Kristiane Kull

1. Vorsitzende GSID®